Pressemitteilung
Zum Tag der Pressefreiheit: Warum digitale Öffentlichkeit mehr als nur Plattformregulierung und ein Social-Media-Verbot braucht
Hamburg, 29. April 2026 – Digitale Resilienz wird zur Schlüsselkompetenz einer demokratischen Gesellschaft. Während Europa die Regulierung gegenüber TikTok, YouTube, Instagram & Co. verschärft, wächst die Sorge um Kinder und Jugendliche. Frankreich treibt ein Verbot für unter 15-Jährige voran, weitere Länder prüfen ähnliche Schritte. Auch in Deutschland debattieren Experten über Leitplanken für Kinder- und Jugendschutz im Netz.
Doch Verbote allein reichen nicht aus. Wer Kinder und Jugendliche im digitalen Raum schützen will, muss sie zugleich stärken. Zum Tag der Pressefreiheit warnt das VOCER-Institut für Digitale Resilienz deshalb vor einer allzu verkürzten politischen Debatte. Nicht nur einzelne Inhalte seien das Problem, sondern die Architektur digitaler Öffentlichkeit selbst: „Wir reden aktuell viel zu viel über Verbote, aber zu wenig über die Systeme dahinter. Plattformen sind keine neutralen Kommunikationsräume, sondern hochoptimierte Aufmerksamkeitsmaschinen. Ohne Eingriffe entsteht keine freie, sondern eine durch ökonomische Interessen gesteuerte Öffentlichkeit“, sagt Dr. Stephan Weichert, Gründungsdirektor des VOCER-Instituts für Digitale Resilienz.
Öffentliche Meinungsbildung findet heute zunehmend auf privatwirtschaftlichen und rein konsumorientierten Plattformen statt. Dort entscheiden algorithmische Empfehlungssysteme, Reichweitenlogiken und kommerzielle Anreizmodelle darüber, was sichtbar wird, welche Themen dominieren und wie gesellschaftliche Debatten verlaufen. Was den Anschein von Freiheit hat, ist häufig vorstrukturiert.
Es drohe Handlungsverzug, so Weichert: „Unsere empirische Arbeit der vergangenen Jahre spricht dafür, dass wir endlich einen klaren Schlussstrich unter die ungefilterte Social-Media-Nutzung ziehen müssen – und zwar nicht nur, um unsere Kinder davor zu schützen, sondern auch deren Eltern.“
Aus Sicht von Weichert sind Altersbegrenzungen und Zugangsbeschränkungen allenfalls ein optischer Schritt. Denn technische Hürden lassen sich leicht aushebeln, strukturelle Probleme bleiben existent. Ein Verbot unter 15 wirke auf den ersten Blick daher wie ein Befreiungsschlag. „Die eigentlichen Probleme digitaler Abhängigkeit, des Datenmissbrauchs und der Unterwerfung unter eine zunehmend toxische Öffentlichkeit werden dadurch langfristig aber nicht gelöst “, so Weichert.
Das VOCER-Institut plädiert daher für eine deutlich breiter angelegte angelegte Reformdebatte mit vier Schwerpunkten:
- Manipulative Plattformdesigns zielgerichtet regulieren
- Empfehlungsalgorithmen transparent machen
- Gemeinwohlorientierte digitale Räume öffnen
- Digitale Resilienz im Schulunterricht verankern
Passend zur aktuellen Debatte erscheint Anfang Juni im Herbert von Halem Verlag das neue „Lernbuch Digitale Resilienz“, gefördert von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS. Autoren sind Dr. Leif Kramp (ZeMKI, Universität Bremen/ VOCER) und Dr. Stephan Weichert (VOCER-Institut für Digitale Resilienz). Das Buch richtet sich ausdrücklich an Familien, Schulen und Bildungseinrichtungen. Es verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten Hilfen für den täglichen Umgang mit Social Media, Desinformation und Fake News, KI und digitalem Stress: „Familien erleben digitale Medien oft als Überforderung. Unser Lernbuch will Orientierung geben, Eltern entlasten und Mut machen – ohne Alarmismus, mit klarem Blick auf die Herausforderungen“, sagt Ko-Autor Leif Kramp.
Leif Kramp / Stephan Weichert
Lernbuch Digitale Resilienz.
Wie Eltern und ihre Kinder souveräner im Umgang mit dem Internet werden
2026, 232 S., Broschur m. Klappe, 240 x 170 mm, dt.
ISBN (Print) 978-3-86962-753-3 | 29,00 EUR
ISBN (PDF) 978-3-86962-754-0 | 24,99 EUR
ISBN (ePub) 978-3-86962-755-7 | 24,99 EUR
Erscheint am 15.06.2026
Mehr Informationen zum Lernbuch
Über das VOCER-Institut für Digitale Resilienz
Das VOCER-Institut für Digitale Resilienz ist ein unabhängiger Think & Do Tank an der Schnittstelle von Medien, Technologie und Demokratie. Es entwickelt Bildungsformate, Studien und Praxisprojekte zur Stärkung demokratischer digitaler Öffentlichkeiten.
Presse-Kontakt:
VOCER-Institut für Digitale Resilienz I Dr. Stephan Weichert
weichert@vocer.org | 0170 310 51 38



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