Whitepaper Non-Profit-Journalismus

Handreichungen für Medien, Politik und Stiftungswesen. Otto-Brenner-Stiftung (2023)

Die Demokratie braucht den Journalismus. Allerdings taugt dieser immer weniger für wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle: Produktions- und Vertriebskosten vervielfachen sich, klassische Werbefinanzierung bricht ein, neue Bezahlschranken im Digitalen bleiben hinter den Erwartungen zurück. Die Folge: Die Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen journalistischen Erzeugnissen ist gefährdet. Um seiner für die Demokratie so wichtigen Aufgabe künftig nachzukommen, braucht das Mediensystem öffentliche und private Unterstützung und Förderung.

Eine Möglichkeit: Journalistische Arbeit als gemeinnützig anzuerkennen – was Steuervorteile und die Förderung durch Stiftungen und andere gemeinnützige Akteure ermöglicht. Da Journalismus bis dato jedoch noch kein anerkannter gemeinnütziger Zweck der Abgabenordnung ist, behelfen sich journalistische Non-Profit-Unternehmungen mit Not- und Zwischenlösungen. Die Uneindeutigkeit solcher Behelfskonstruktionen sorgt für allerhand Rechtsunsicherheit, das Feld für Non-Profit-Journalismus in Deutschland mutet deshalb wenig nachhaltig an. Das „Whitepaper Non-Profit-Journalismus“ der Otto Brenner Stiftung ist ein Lagebericht zum gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die Autoren Dr. Leif Kramp (ZeMKI) und Dr. Stephan Weichert (VOCER Institut für Digitale Resilienz) haben Stellungnahmen und Gedankenanstöße unterschiedlicher Stakeholder:innen eingeholt und geben Empfehlungen für ein aussichtsreiches Vorgehen in diesem komplexen Problemfeld.

01

Die angespannte Wirtschaftslage des Pressemarktes und der rasante Mediennutzungswandel heizen die Diskussion um Gemeinnützigkeit im Journalismus weiter an.

02

Journalist:innenverbände und Gewerkschaften sowie weite Teile der Medienpolitik sprechen sich für eine Rechtssicherheit von gemeinnützigem Journalismus aus, Presseverbände argumentieren dagegen.

03

In den Reihen von Stiftungen und weiteren Fördereinrichtungen für journalistische Projekte gibt es kaum Zusammenarbeit oder
aufeinander abgestimmte Förderungen.

04

Die Rolle von Schnittstellenorganisationen im Feld des Non-Profit-Journalismus wird weitgehend unterschätzt.

05

Non-Profit-Geschäftsmodelle werden durch anstehende medienpolitische Entscheidungen vermutlich stark anwachsen.

Für das „Whitepaper“ wurden relevante Protagonist: innen aus Stiftungswesen, von Schnittstellenorganisationen und aus der Medienpolitik sowie von Verbänden befragt. Leitfadeninterviews geführt haben die Autoren mit neun Expert:innen von Stiftungen und gemeinnützigen journalistischen Schnittstellenorganisationen. Befragt wurden außerdem ausgewählte medienpolitische Sprecher:innen der Bundestagsfraktionen sowie Verantwortliche und Sprecher:innen von journalistischen Branchenverbänden. In der Studie finden sich darüber hinaus Kurzporträts gemeinnütziger Pilotprojekte, außerdem melden sich 14 renommierte Kritiker:innen in dem Format „Drei Fragen, drei Antworten“ zu Wort. Sämtliche Befragungen fanden im Zeitraum Februar bis August 2023 statt.

Leif Kramp / Stephan Weichert
Whitepaper Non-Profit-Journalismus. Handreichungen für Medien, Politik und Stiftungswesen
Otto Brenner Stiftung
OBS-Arbeitsheft 112
Frankfurt am Main, Oktober 2023